Archive for the 'Kurzgeschichte' Kategorie

Wie Märchen uns ideologisch in die Irre führen

Jul 19 2009 Veröffentlicht von Erik mit k unter Aufgefallen, Erkenntnis, Kurzgeschichte

Ich habe gerade im Fernsehen, das Märchen vom Rumpelstilzchen gesehen und ich muss sagen, was da abgezogen wird, ist wahrlich eine Frechheit.

Die Geschichte von Rumpelstilzchen ist eine Geschichte voller Missverständnisse und ein Plädoyer für das Betrügen, den Kommerz und das Unterdrücken einer Minderheit.

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Im Regen [Erzählung]

Jun 16 2009 Veröffentlicht von Erik mit k unter Gedanken, Kurzgeschichte

Ich laufe schnellen Schrittes den Weg entlang. Viel zu tun und keine Zeit. Vorhin schien die Sonne noch, aber jetzt hat sie sich hinter dicken Wolken versteckt. Gut so, denn ich habe gar keine Zeit in der Sonne zu liegen. Da kann sie genauso gut weg bleiben.

Ich gehe weiter.

Plötzlich sehe ich etwas vor mir im Sand. Schon wieder! Es sind kleine Regentropfen die auf den trockenen, staubigen Boden fallen. Kleine Oasen, voller Feuchtigkeit, auf der spröden Asphaltplatte, dem pulverigen Boden, den trockenen Wiesen.

Ich bleibe stehen.

Es fallen immer mehr Tropfen herab. Immer noch wenige, aber es werden stetig mehr.

Ich schaue nach oben.

Die Wolken über mir sehen bedrohlich aus, doch sie sind verantwortlich für die dringend notwendige Feuchtigkeit. Ich habe das Gefühl, als habe alles darauf gewartet. Der Regen wird gleichmäßig und unbeirrbar kräftiger. Die Tropfen größer. Auf einmal gibt es kein Halten mehr. Unzählige kleine und große Wassertröpfchen bahnen sich ihren Weg zur Erde.

Ich stehe mitten drin.

Wasser rinnt mir über das Gesicht. Meine Sachen werden nass, Wasser dringt in meine Schuhe ein. Tropfen sammeln sich auf meinem Gesicht, vereinen sich und laufen an meiner Nase entlang. Sie sammeln sich an meinen Augenbrauen und laufen an meinen Augen vorbei über meine Wangenknochen. Beide Ströme treffen sich am Kinn und fallen dort auf mein T-Shirt hinab. Es ist vollkommen durchnässt.

Ich breite die Arme aus.

Ich spüre den Regen auf meiner Haut. Auf meinen Haaren. Mit den Händen nehme ich sie wahr. Ich spüre den Regen durch meine nassen Sachen. An meinen Füßen kann ich das Wasser fühlen. Es ist überall.

Ich genieße es.

Ich könnte lange stehen bleiben. Es macht mir nichts aus.

Ich habe Zeit.

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Bloß raus hier [Kurzgeschichte]

Jun 05 2009 Veröffentlicht von Erik mit k unter Kurzgeschichte

Als er heute im Büro ankam, hatte er nicht damit gerechnet, wie der Tag verlaufen wird. Der Bericht, den er letzte Nacht getippt hatte, war mit Fehlern gespickt. Die Präsentation, die er über Wochen vorbereitet hatte, verlief mehr als dürftig. Die Kaffeemaschine verweigerte ihren Dienst komplett und seine Arbeitskollegen haben ihn ja auch noch nie richtig akzeptiert.

“Wäre ich heute mal zu Hause geblieben”, dachte er sich.
“Hätte ich ihn mal nicht eingestellt”, dachte sich der Chef.

Frustration machte sich breit. Er saß an seinem Schreibtisch und starrte auf die Ablage, die mit Dokumenten gefüllt war. Bis Morgen müsse er sie alle durchgearbeitet haben. Seine Fehler muss er ausbessern. Der Firma zeigen, dass er es doch kann. Er starrte die Ablage weiter an.

In den anderen Büros ist es dunkel geworden. Verabschiedet hat sich keiner bei ihm. Nur der Chef kam vorbei und kündigte für Morgen ein Gespräch unter vier Augen an. “Keine gute Aussichten”, dachte er sich und starrte weiter auf den leeren Kaffeebecher und die Ablage auf seinem Tisch. Die Dokumente, die Tasse, die leeren Büros. Wohin er auch sah. Wohl fühlte er sich hier nicht.

“Raus. Bloß raus hier”, sagt er.

Er griff nach seiner Jacke, zog sie im Laufen an. Während er auf den Fahrstuhl wartete, zog er den Autoschlüssel aus der Innentasche. Er wartete. Als die Fahrstuhltür aufging, war er bereits im Treppenhaus. Er wollte nicht länger stehen und lief so schnell er konnte. Zwei Stufen auf einmal. Stockwerk für Stockwerk tiefer in die unterirdische Garage. Er lief ohne Umwege zu seinem Auto, öffnete es und setzte sich hinein. Er schloss die Tür. Ruhe. Geborgenheit.

Er steckte den Schlüssel ins Schloss, startete den Motor. Aus dem Handschuhfach holte er eine CD und legte sie ein. Rückwärtsgang. Weg von hier.

Wohin? Egal. Rauf auf die Autobahn. Um die Zeit war recht wenig Verkehr und er fuhr jeden Gang aus. Er vergaß seine Sorgen. Ihm war es egal. Er fuhr. Hauptsache weg. Die CD spielte immer noch. Er griff an den Regler für die Lautstärke und mit jedem Klick erhöhte sich die Zahl auf dem Display um eins. Er begann mit den Fingern auf dem Lenkrad zu trommeln. Sein Kopf wippte hin und her. Es hielt ihn nicht lange und er sang lauthals mit. All seine Lieblingslieder waren auf dieser CD. Er kannte jedes einzelne bis zum letzten Wort und der letzten Note.

Voller Leidenschaft sang er mit. Ihm war egal, was die anderen Autofahrer sehen könnten. Sein ganzer Körper pulsierte voller Freude. Alles fiel von ihm ab. So froh hat man ihn lange nicht gesehen. Er lachte. Erst schmunzelte er. Dann kam es schallend aus ihm heraus. Er war glücklich.

Dieses Lied war sein absoluter Favorit. Er traf jede Note und jeden Einsatz. Er trommelte mit den Fingern, wippte mit dem Körper. Gleich kam sie. Die Stelle mit den hohen Tönen. Er sang so laut und kräftig mit. Die hohen Noten. Er sang so laut. Plötzlich. Ein Krächzen im Hals. Die hohen Noten. Er musste husten und griff sich mit der Hand an den Hals. Er röchelte und sein Kopf wurde rot. Er verlor die Kontrolle. Nachdem das Auto gegen die Leitplanke fuhr, hatte sich nicht nur seine Stimme überschlagen…

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