Wie Märchen uns ideologisch in die Irre führen
Ich habe gerade im Fernsehen, das Märchen vom Rumpelstilzchen gesehen und ich muss sagen, was da abgezogen wird, ist wahrlich eine Frechheit.
Die Geschichte von Rumpelstilzchen ist eine Geschichte voller Missverständnisse und ein Plädoyer für das Betrügen, den Kommerz und das Unterdrücken einer Minderheit.
Fassen wir mal kurz das Handlungsgeschehen zusammen (Danke Wikipedia). Wer das Märchen kennt, kann diesen Absatz überspringen!
„Ein Müller behauptet von seiner schönen Tochter, sie könne Stroh zu Gold spinnen und will sie an den König verheiraten. Der König lässt die Tochter kommen und stellt ihr die Aufgabe, über Nacht eine Kammer voll Stroh zu Gold zu spinnen, ansonsten müsse sie sterben. Die Müllerstochter ist verzweifelt, bis ein kleines Männchen auftaucht und ihr gegen ihr Halsband Hilfe anbietet und für sie das Stroh zu Gold spinnt. In der zweiten Nacht wiederholt sich das Gleiche und die Müllerstochter gibt ihren Ring her. Darauf verspricht der König dem Mädchen die Ehe, falls sie noch einmal eine Kammer voll Stroh zu Gold spinnen kann. Diesmal verlangt das Männchen von der Müllerstochter ihr erstes Kind, worauf sie schließlich ebenfalls eingeht.
Nach der Hochzeit und der Geburt des ersten Kindes fordert das Männchen den versprochenen Lohn. Die Müllerstochter bietet ihm alle Reichtümer des Reiches an, aber das Männchen verlangt „etwas Lebendiges“. Durch ihre Tränen erweicht, gibt es ihr aber drei Tage Zeit, seinen Namen zu erraten. Dann soll sie das Kind behalten dürfen. In der ersten Nacht probiert es die Königin mit allen Namen, die sie kennt; doch ohne Erfolg. In der zweiten Nacht versucht sie es erfolglos mit Namen, die sie von ihren Untertanen erfragt hat. Am Tag darauf erfährt sie von einem Boten, dass ganz entfernt ein Männchen in einem kleinen Haus wohnt, das nachts um ein Feuer tanzt und singt:„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“Die Königin fragt zunächst, ob Rumpelstilzchen „Heinz“ oder „Kunz“ heiße und nennt dann erst den korrekt überlieferten Namen. So kann sie das Rätsel nun lösen und Rumpelstilzchen zerreißt sich mit den Worten „Das hat dir der Teufel gesagt!“, vor Wut selbst.„
Nun mal der Reihe nach. Auslöser für die ganze Misere ist also ein Müller, der wider besseren Wissens behauptet, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen kann. Mit dieser Behauptung will er sie an den König verheiraten. Das ist die erste grobe Frechheit. Warum tut er das? Liebt er seine Tochter nicht und will sie nur ins Verderben stürzen? Ich meine, welcher vernünftige Vater würde denn so etwas tun?
Der König ist ja nicht dumm und will Beweise sehen. Und weil er der Machthaber ist, setzt er der Müllerstochter ein Ultimatum. Entweder sie kann das wirklich oder sie muss dafür büßen, den König so verarschen zu wollen. Eine recht verständliche Handlungsabsicht des Adligen. Obwohl zeitgleich recht naiv, denn wer glaubt sowas denn wirklich? Aber es ist schließlich ein Märchen. Wundersame Dinge sind da ja alltäglich. Aus dem Standpunkt des Königs heraus, kann man das also gerade so durchgehen lassen.
So sitzt die Tochter nun im Kerker in einer Zelle voller Stroh und ist selbstverständlich nicht in der Lage, die ihr auferlegte Aufgabe zu erledigen. Doch Rettung naht, in Form eines kleinen Mannes, namens Rumpelstilzchen. Er bietet dem zu scheitern drohenden Unternehmens der jungen Frau seine Hilfe an. Er möchte für seine Tätigkeiten allerdings entlohnt werden. Ein für mich völlig nachvollziehbarer Schritt, denn wenn jemand Stroh zu Gold spinnen kann, wieso sollte er das einfach so mit jemandem teilen? Man will ja nicht ausgenutzt werden, weil man etwas so wundersames beherrscht.
Die Müllerstochter bietet ihm ihr Halsband/Kette an, am nächsten Tag ihren Ring, am dritten Tag sagt das Rumpelstilzchen, dass er als weiteren Lohn ihr Erstgeborenes haben möchte. Die Hochzeit mit dem König vor Augen und immensem Reichtum an den Fingerspitzen, lässt sie sich blind auf den Deal ein. “Der wird das schon nicht so meinen. Mit Erstgeborenem meint er sicher einen Haufen Gold.” So oder so ähnlich muss wohl ihre Gedankenwelt aussehen. Der Deal steht am Ende und Rumpelstilzchen geht ein letztes Mal ans Werk.
Zeit vergeht. Die Müllerstochter heiratet den König. Sogar ihr Vater bekommt etwas vom Reichtum ab. Ein völlig abstruser Schritt, wenn man bedenkt, dass er für alles verantwortlich ist und mit immensem Risiko und Lügen seine Tochter an den Mann bringen wollte.
Wie es so mit Verträgen ist, kommt natürlich Rumpelstilzchen eines Tages zurück und verlangt seinen Lohn – das erstgeborene Kind. Die inzwischen zur Königin aufgestiegene junge Frau, versucht den kleinen Mann mit Gold und Reichtum zu entlohnen, anstatt die vorher ausgehandelte Vertragsabschlussprämie rauszurücken. Ich kann die Reaktion von Rumpelstilzchen verstehen, wenn er darauf beharrt. Vertrag ist Vertrag. Im Film hat er dazu folgenden Satz gesagt: “Ich möchte nicht, dass ein Kind bei Leuten aufwächst, denen Gold und Reichtum wichtiger sind, als alles andere.” Damit hat er doch verdammt Recht. Seine Hauptaussage ist also die, dass es neben Gold viel wichtigere Dinge im Leben gibt. Das sehen aber die anderen nicht so und er versucht das Kind quasi aus den Fängen des Kapitalismus zu retten. Nobel, wie ich finde!
Schon von Beginn an zeigt sich der Müller als geldgierig, da er seine Tochter verschachern will. Der König sagt “Ja!”, weil Stroh zu Gold spinnen, für sein Befinden auch keine schlechte Sache ist. Die Tochter versucht auch nicht mit dem Rumpelstilzchen zu reden und ihm alles zu erklären, sondern bietet ihm sofort materielle Güter an, um sich selbst zu retten. Dieses kapitalistische Trio ist ideologisch gesehen, das genaue Gegenteil vom eigentlichem Helden des Märchens – dem Rumpelstilzchen.
Doch wie endet die Erzählung? Es werden alle Anstrengungen unternommen, um es dem Rumpelstilzchen heimzuzahlen und seinen Namen herauszufinden, damit er endlich Ruhe gibt. Völlig zu Recht ärgert er sich über dieses Verhalten, der kommerziellen Oberklasse, die ihn in die Versenkung verbannen möchte. Kein Dank für sein Handeln, obwohl die Müllerstochter, ohne ihn, im Kerker verreckt wäre. Sie übergeht zudem noch den Vertrag den sie miteinander geschlossen haben. Und er steht als Aussätziger alleine da und ärgert sich absolut gerechtfertigt in Grund und Boden.
Als Sieger des Märchens stehen also ein lügender Müller, ein naiver König und eine betrügende Königin fest. Das aus reinen und guten Absichten handelnde Rumpelstilzchen, wird als das Böse portraitiert! Das spiegelt zum Teil sehr gut unsere Gesellschaft wider!
Ich spreche mich hiermit für die Rehabilitation von Rumpelstilzchen aus! So wie in diesem Märchen darf es nicht enden!
…genau, das muß umgeschrieben werden…nieder mit dem Königspaar…Rumpelstilzchen muß reabilitiert werden… heutzutage würde die Königstochter gleich ein Inkassobüro und Anwälte an der Backe haben
))
….und noch’ne Frage von mir….kann man sein Kind in der heutigen Zeit Rumpelstilzchen nennen, so richtig eingetragen in die Geburtsurkunde?
ich fand schon immer das Rumpelstilzchen einer der missverstandensten Charakter in der Märchen der Gebrüder Grimm war!