Im Regen [Erzählung]

Jun 16 2009

Ich laufe schnellen Schrittes den Weg entlang. Viel zu tun und keine Zeit. Vorhin schien die Sonne noch, aber jetzt hat sie sich hinter dicken Wolken versteckt. Gut so, denn ich habe gar keine Zeit in der Sonne zu liegen. Da kann sie genauso gut weg bleiben.

Ich gehe weiter.

Plötzlich sehe ich etwas vor mir im Sand. Schon wieder! Es sind kleine Regentropfen die auf den trockenen, staubigen Boden fallen. Kleine Oasen, voller Feuchtigkeit, auf der spröden Asphaltplatte, dem pulverigen Boden, den trockenen Wiesen.

Ich bleibe stehen.

Es fallen immer mehr Tropfen herab. Immer noch wenige, aber es werden stetig mehr.

Ich schaue nach oben.

Die Wolken über mir sehen bedrohlich aus, doch sie sind verantwortlich für die dringend notwendige Feuchtigkeit. Ich habe das Gefühl, als habe alles darauf gewartet. Der Regen wird gleichmäßig und unbeirrbar kräftiger. Die Tropfen größer. Auf einmal gibt es kein Halten mehr. Unzählige kleine und große Wassertröpfchen bahnen sich ihren Weg zur Erde.

Ich stehe mitten drin.

Wasser rinnt mir über das Gesicht. Meine Sachen werden nass, Wasser dringt in meine Schuhe ein. Tropfen sammeln sich auf meinem Gesicht, vereinen sich und laufen an meiner Nase entlang. Sie sammeln sich an meinen Augenbrauen und laufen an meinen Augen vorbei über meine Wangenknochen. Beide Ströme treffen sich am Kinn und fallen dort auf mein T-Shirt hinab. Es ist vollkommen durchnässt.

Ich breite die Arme aus.

Ich spüre den Regen auf meiner Haut. Auf meinen Haaren. Mit den Händen nehme ich sie wahr. Ich spüre den Regen durch meine nassen Sachen. An meinen Füßen kann ich das Wasser fühlen. Es ist überall.

Ich genieße es.

Ich könnte lange stehen bleiben. Es macht mir nichts aus.

Ich habe Zeit.

3 Kommentare

  1. wie du mir, so ich dir…
    Toll! Vor allem das Ende ist klasse.
    Weiter so. Du Poet

  2. hmm, ja, schöne idee! gut umgesetzt! “da kann sie genauso gut weg bleiben” – finde ich aber nicht ganz so passend zum restlichen stil. aber das ist wohl nur wieder mein persönlicher geschmack ;-)

  3. Nice, nice!

    Zwei Sachen, die ich anmerken würd:
    Der erste Absatz mag nicht so recht zu den anderen passen (ab Satz 2).
    Und: Im Bereich “Regen rinnt über mein Gesicht” würde ich den Teil mit den Augen VOR den mit der Nase setzen. Meine innere Kamera hat die Nase herabgeführt und musste dann spontan wieder nach oben springen…;D

    Ist aber nur meine dummschwätzerische Meinung!

    Mach weiter!

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